Die Pfarrkirche der Heiligen Euphemia
Durch die mit Steinen gepflasterte schmale
Gasse zum imposanten Bau der Pfarrkirche St. Euphemia hinaufgehend wird
sich auch der zufällige Besucher fragen: Wann ist dises große und schöne
Gebäude entstanden?
Möchte man diese Frage beantworten, muß man weit in die Vergangenheit
zurückgehen, geduldig nach den alten Zeugnissen der Geschichte suchen,
aber auch dem Rauschen des endlosen Meeres lauschen, das uns immer wieder
von der Sehnuscht des Menschen nach den ewigen Küsten erzählt, die sein
Leben inspiriert und seine Träume webt.
So wird man erfahren, daß der christliche
Glaube schon in den ersten nachchristlichen Jahrhunderten in diese Gebiete
gekommen ist, dank des Zeugnisses vieler unbekannter Wanderer, Geschäftsleute,
Soldaten und Missionare, in Zeiten des Friedens wie auch der Verfolgung
zu der Zeit, in der Rovinj zum großen römischen Kaiserreich gehörte
Mitten in der kleinen Stadt, die damals eine Insel war, wurde von den
Bürgern eine Kirche zu Ehren des hl. Märtyrers Georg erbaut. Für diese
Kirche und das ganze Gebiet wurde das Jahr 800 bedeutungsvoll, als von
den Küsten des Nahen Ostens der Sarkophag mit den Gebeinen der hl. Euphemia
nach Rovinj kam, für den, wegen der hohen Wertschätzung, die den Reliquien
der Heiligen entgegengebracht wurde, sofort eine Kapelle neben der St.
Georgskirche errichtet wurde.
Da sich die Verehrung der heiligen Märtyrerin rasch verbreitete, begann
man bald danach eine größere Kirche zu bauen, die um das Jahr 950 fertiggestellt
und der hl. Euphemia sowie dem hl. Georg geweiht wurde. Durch besondere
päpstlicher Bulle wurde diese Kirche im Jahr 1178 zur Kapitelkirche erhoben.
Mit der Zeit wurde der Bau jedoch zu alt zund zu eng für die immer größer
werdende Einwohnerzahl von Rovinj, wie auch für die zahlreichen Wallfahrer
aus der Umgebung.
Darum begann man 1725 an derselben Stelle,
die dem Besucher eine wunderschöne Aussicht über die Stadt und das weite
Meer bietet mit dem Bau der heutigen Kirche. Die Fassade der Kirche, die
stolz in der mediteranen Sonne glänzt, wurde im 19. Jahrhundert mit behauenem
Stein ausgestaltet. Der Glockenturm, der mit der später aufgestellten
kupfernen Statue der Heiligen 63 Meter hoch ist, wurde in den Jahren 1654
bis 1680 nach dem Vorbild des Glockenturmes von St. Markus in Venedig
gebaut. Die erhabene auf der Turmspitze aufgestellte Statue der Heiligen
mit der Palme als Symbol des Martyriums in der Hand und neben ihr ein
Rad als Instrument ihrer Folter, dreht sich in Richtung des Windes, aber
erinnert durch ihre Anwesenheit am höchsten und auffallendsten Punkt der
Stadt auch immer wieder an die heilige Zeit der Anfänge des Christentums,
als die Zugehörigkeit zu Christus und seiner Kirche von vielen mit dem
Blut bezeugt wurde.
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Wenn man in den ruhigen Kirchenraum
(51,11 m lang, 30,26 m breit, 18 m hoch) hineinkommt, nimmt man seine
Unterteilung in drei große Schiffe war, an deren Ende jeweils ein wunderschöner
Altar aus Cararamarmor steht.
Im linken Seitenschiff erblickt man den Altar des Allerheiligsten Sakramentes,
das Ewige Licht neben dem Tabernakel; in der Mitte den schönen Hochaltar
mit den Statuen der Heiligen Georg, Rochus und Markus und auf der rechten
Seite - für diese Stadt besonders wichtig - den Altar der hl. Euphemia
mit der steinernen Statue der Heiligen. Hinter dem Altar befinden sich
die Gebeinde der Heiligen im Marmorsarkophag aus dem 4. oder 5. Jahrhundert,
der heute wie damals unzählige Wallfahrer anzieht.
Neben dem Sarkophag finden sich zwei große Wandbilder. Das eine stellt
die Heilige vor den Löwen im Amphitheater, das andere die Ankunft des
Sarkophages in Rovinj dar.
Wenn man sich die ganze Kirche langsam
und aufmerksam ansieht, wird man eine ganze Reihe von Altären entdecken:
1. den Altar der Rosenkranzmadonna mit der Altarpalla aus dem 19. Jh.;
2. den Altar des hl. Franziskus; 3. den Altar des hl. Petrus; 4. den Altar
des hl. Erzengels Michael, dessen Altarpalla die Madonna von Loretto und
den hl. Michael darstellt; 5. den Altar Unserer Lieben Frau vom Berge
Karmel mit einer schönen Marmorstatue der Mutter Gottes mit dem Jesuskinde;
6. den Altar des hl. Nikolaus; 7. den Altar des hl. Sebastian, der wahrscheinlich
in der alten Kirche als Altar der hl. Euphemia diente; 8. den Altar des
hl. Rochus. Hinter dem Hochaltar wird auch der schön ausgearbeitete Kanonikerchor
die Aufmerksamkeit des Besuchers auf sich ziehen.
Beim Betreten der Sakristei fallen dem Besucher die Schränke aus Nußholz
aus dem Jahre 1803 sowie einige Gemälde ins Auge, von denen das Bild des
hl. Johannes des Täufers von Emanuel Zanfunari aus dem 16. Jh. einen großen
künstlerischen Wert hat. Die anderen vier Bilder (hl. Antonius von Padua,
hl. Johannes, hl. Maria Magdalena, hl. König Eduard) sind Werke aus der
Tintorettischule (von unbekanntem Meister aus dem Anfang des 19. Jh.).
Der wertvolle Silberschmuck stammt aus dem 18. Jh.
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Nach der Besichtigung der Pfarrkirche
kann der Besucher in dieser mediteranen Stadt noch einige kleinere Kirchen
mit verschiedenen Kunstwerken sehen. Rovinj, die Stadt der steinernen
Stufen und Treppen, der engen Gassen, der malerischen Küsten und der plätschernden
Wellen ruft ununterbrochen die vergangenen Jahrhunderte, die ersten christlichen
Glaubensboten und die wunderbare Ankunft des Sarkophages der hl. Euphemia
ins Gedächtnis.
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